Hörgeräte-Historie

Schon der schwerhörige Ludwig van Beethoven musste mit dem Schalltrichter seine Neunte Symphonie einspielen. Diese Überlieferung zeigt, dass Hörgeräte eine lange Geschichte haben. Sie beginnt nachweislich im 17. Jahrhundert, mit bescheidener Wirkung und einer Lautverstärkung von rund 20 bis 30 Dezibel. Nicht nur große Musiker mussten sich mit dem primitiven Schalltrichter noch bis ins 19. Jahrhundert zufrieden geben.

Es war Werner von Siemens, der der Entwicklung der Hörgeräte einen neuen, starken Schub verlieh. 1878 erfand er einen Telefonhörer speziell für Hörgeschädigte. Er verstärkte den Umgebungsschall und war zunächst nur für Siemens-Werksangehörige und deren Familien bestimmt; bis 1913 ein neues Modell mit der Bezeichnung „Phonophor“ in den freien Verkauf kam: Mit Batterie, Mikrophon und Einsteckhörer war es der Vorläufer moderner Hörgeräte, da der Schallverstärker gezielt am Ohr zur Wirkung kam.

Durch den Einsatz neuer Verstärkerelemente konnte die Elektronik schließlich soweit verkleinert werden, dass die Hörgeräte in den 1950er Jahren Westentaschenformat erreichten und mitgeführt werden konnten. Normale Batterien lieferten den Strom für ihren Betrieb. Diese Taschengeräte waren jedoch sehr teuer und nur ein kleiner Teil der betroffenen Menschen konnte sich diese Anschaffung leisten.

In den 1960er Jahren wurden Geräte entwickelt, wie wir sie heute kennen. Zunächst waren es einkanalige, hinter dem Ohr getragene Analoggeräte, bis die Firma Siemens Audiologische Technik 1966 das weltweit erste Im-Ohr-Hörgerät auf den Markt brachte. Eine rasante Entwicklung nahm ihren Lauf, – über dreikanalige Analoghörgeräte und digital programmierbare bis hin zu den heutigen volldigitalen Hörgeräten.

Genau wie Speichermedien, Mikrochips oder Mobiltelefone wurden die digitalen Hörsysteme immer kleiner und leistungsstärker. Als Zukunftstechnologien der Hörakustik werden bereits heute ins Ohr einschiebbare Mikrosysteme und so genannte Hörgerät-Implantate diskutiert.